Projektergebnisse

Projektergebnisse

Auf dieser Seite finden Sie die Ergebnisse vom Projekt.
Und was wir durch unser Projekt festgestellt haben.
Die Ergebnisse haben wir zusammengefasst.

Umgang mit Informationen

Umgang mit den Informationen

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Es gibt bereits viele verschiedene Informationen.
Vielleicht stimmen manche Informationen nicht.
Die Beteiligten haben nicht alle Informationen.
Es gibt falsche Informationen.
Oder den Beteiligten fehlen Informationen:

  • Über Angebote
  • Möglichkeiten über einzelne Förderungen
  • Möglichkeiten über Förderungen von Einrichtungen
  • Unterstützung für Arbeitgeber
  • Welche Grundlagen im Gesetz stehen für
    – Dienstleistungen,
    – Ausbildung
    – und Arbeit.
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Viele Beteiligte bekommen die Informationen nur schwierig.
Sie wissen häufig nicht: habe ich alle Informationen.
Die Beteiligten sollen die Informationen gut erhalten können.

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Wie die Beteiligten die Informationen bekommen möchten:
Dazu gibt es unterschiedliche Wünsche.

Handlungs-Felder und Handlungs-Empfehlungen

Die Ansprechpartner sollen in der Region sein.
Informationen soll man dort bekommen.
Die Beteiligten sollen die Informationen ohne Hindernisse bekommen.

Das empfehlen wir:

Die Beratungen sollen über die Grenz-Region möglich sein.
Alle Menschen in der Grenz-Region sollen teilhaben und dabei sein können.
Mit einer Grenz-Region meint man:
Zwei Länder liegen nahe beieinander. Eine Grenze trennt die Länder.
Zum Beispiel die Länder Deutschland und Österreich.
Das ist die Grenz-Region in unserem Projekt:
Bayern im Land Deutschland. Und Tirol im Land Österreich.
Wir schreiben ab jetzt: Grenz-Region Bayern und Tirol.

Wir wollen die Zusammen-Arbeit in der Grenz-Region Bayern und Tirol verbessern.

Das empfehlen wir:

Menschen sollen sich austauschen.
Zum Beispiel bei Konferenzen.
Es soll Projekte zur Zusammen-Arbeit in der Grenz-Region Bayern und Tirol geben.

Das empfehlen wir:

Menschen arbeiten in Netzwerken zusammen.
Das wollen wir ausbauen und stärken.

Lesen Sie hier die ausführlichen Ergebnisse 'Informationsmanagement'

Beispiel: Ein*e Tiroler Interviewteilnehmer*in mit körperlicher und Sinnesbehinderung strebte eine Ausbildung in Bayern an. Die Informationsbeschaffung bezüglich möglicher grenzübergreifender Förderleistungen gestaltete sich als äußerst schwierig. Die vorgefundenen Assistenzstrukturen und Ausbildungsförderungen waren an nationale Grenzen gebunden. Um die Ausbildung trotzdem anzutreten, wurde über einen Umzug an den Ausbildungsstandort nachgedacht. Jedoch war dieser mit einigen Unsicherheiten behaftet, da vorab die Bedingungen für die Inanspruchnahme von nötigen Leistungen (Wohnbeihilfen, Assistenzstrukturen etc.) nur durch die selbständige Informationsbeschaffung erfahrbar waren. Um die nötigen Anträge zu stellen, hätte vorerst ein grenzübergreifender Wohnortwechsel stattfinden müssen. Die Unklarheit über bestehende Förderstrukturen im Zusammenhang mit der Unsicherheit, ob Leistungen in Anspruch genommen werden können, führte letztendlich dazu, dass die Ausbildung nicht angetreten wurde.

 

In Bayern und Tirol berichten die Teilnehmer*innen aller Bereiche – Angehörige, Arbeitgeber*innen, Betroffene, Institutionen, Politiker*innen, Träger und Verwaltungen – von diversen Informationsdefiziten. Diese Informationslücken betreffen Angebote, Fördermöglichkeiten, die Finanzierung von Trägern und die Unterstützung von Arbeitgeber*innen, sowie die gesetzlichen Grundlagen für eine grenzübergreifende Inanspruchnahme von Dienstleistungen, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen. Unter Betroffenen und Angehörigen finden sich zum Teil auch falsche Informationen über Dienstleistungsangebote, Leistungsansprüche, Leistungsvoraussetzungen und Verfahren der Antragsstellung im regionalen wie interregionalen Raum.

Ambivalent fallen die Einstellungen zwischen den Stakeholdern bezüglich des Modus der Informationsakquise aus. Angehörige und Betroffene sehen die Verantwortung der Informationsdistribution auf Ebene der Institutionen, Verwaltungen und Politik verortet. Informationen sollten somit von den verantwortlichen Stellen an Angehörige und Betroffene herangetragen werden. Demgegenüber steht die Ansicht der Institutionen, Verwaltungen und auch Arbeitgeber*innen, die eine gewisse Hohlschuld bei Betroffenen und Angehörigen sehen.

Mitunter geht aus den Erzählungen von Betroffenen und Angehörigen hervor, dass der Umfang, die Qualität und Korrektheit von Informationen stark von der hauptsächlich verantwortlichen beratenden Instanz bzw. Person abhängt. Hier kommt es oft zu einer ‚Insellage‘ an Informationen, die dem Beratungskontext entstammen, aber nicht das volle Spektrum grenzübergreifender Angebote abdecken. Beratende Instanzen haben teils selbst keinen vollständigen Überblick. Zudem werden bestehende Informationen in der Weitergabe an die zu Betreuenden vielfach gefiltert, was bereits eine Vorselektion bedeutet und somit Handlungsspielräume durch den Informationsmangel auf Seiten der zu Beratenden einschränken kann.

Handlungsfelder

Unter den Beiträgen der Teilnehmer*innen lassen sich zwei zentrale Handlungsfelder identifizieren, um den Problematiken der Informationsdefizite, der falschen Informationen und dem Modus der Informationsakquise zu begegnen. Für das erste Feld ist die Verdichtung der Vernetzung der beteiligten Akteure (Träger, Institutionen, Arbeitsämter, Betroffenen- und Angehörigenvertretungen, politische Akteure) im Dienstleistungsbereich für Menschen mit Behinderungen zentral. Dabei steht die regionale und interregionale Zusammenarbeit über Kooperationsnetzwerke im Vordergrund. Dies soll dem Informationsaustausch über nationale Grenzen hinweg dienen, um so Informationslücken über regionale und interregionale Angebote zu schließen und falschen Informationen vorzubeugen.

Das zweite Handlungsfeld bezieht sich auf sozialraumnahe Anlaufstellen, die Informationen zu regionalen und interregionalen Angeboten, Finanzierungsmöglichkeiten oder gesetzlichen Grundlagen zentralisiert und barrierefrei bereitstellen. Kernelemente sind es, für die Teilnehmer*innen niederschwellige und barrierefreie Zugangsmöglichkeiten zu schaffen, um verdichtete, transparente und unabhängige Informationen über die Soziallandschaft in Bayern und Tirol zu erlangen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf einer partizipativen Konzeption, die den Bedürfnissen aller beteiligten Stakeholder gerecht wird.

Handlungsempfehlungen

  1. Verdichtung der interregionalen Vernetzung zwischen Bayern und Tirol. Vernetzungsmöglichkeiten bieten überregionale Konferenzen (z. B. Selbsthilfe-Konferenz), grenzüberschreitende Kooperationsprojekte (z. B. INTERREG Tourismuskooperation, BierWeltRegion oder Eurodiaconia) und die Formalisierung bereits bestehender informeller Netzwerke.
  2. Entwicklung und Einrichtung von sozialraumnahen, barrierefreien, niederschwellig zugänglichen und interregional, zwischen Bayern und Tirol, agierenden Teilhabeberatungen.

Mangelnde Angebote im Bereich Mobilität

Mangelnde Angebote im Bereich Mobilität

Mobilität ist ein anderes Wort für: Unterwegs sein.

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Im Bereich Mobilität fehlen Angebote.
Es fehlen:

  • Öffentliche Verkehrsmittel
    Zum Beispiel: Bus und Bahn
  • Fahrdienste
  • Unterstützung bei der Begleitung
  • Weitere Förderungen
    Zum Beispiel: Förderungen mit Geld

Im Bereich Mobilität ist wichtig: Hindernisse soll es nicht geben.

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Die Angebote zur Mobilität gibt es nicht überall.
Manche Menschen müssen zum Beispiel mit dem Taxi fahren.
Das macht manche Menschen abhängig.
Die Angebote soll man gut erreichen können.
Dann kann man die Angebote besser nutzen.
Und Menschen können nach Angeboten fragen.

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Unternehmen zur Mobilität bieten verschiedene Dienst-Leistungen an.
Man muss viel beantragen.
Erst dann bekommt man die Leistung.
Und es gibt unterschiedliche Möglichkeiten zur Förderung in Bayern und Tirol.

Handlungs-Felder und Handlungs-Empfehlungen

Es soll mehr Angebote zur Mobilität geben.

Das empfehlen wir:

Menschen sollen:

  • Bus,
  • Bahn,
  • Straßen-Bahn
  • und S-Bahn

ohne Hindernisse nutzen können.

Das sollen Sie auch in ländlichen Regionen machen können.
Die Angebote dazu muss man ausbauen.

Das empfehlen wir:

Es soll öffentliche Unternehmen zur Mobilität geben.
Zum Beispiel: Taxis ohne Hindernisse.
Und Fahrdienste von verschiedenen Einrichtungen.

Alle Menschen sollen bei Angeboten mitmachen können.

Das empfehlen wir:

Fahrgemeinschaften soll es geben.
Und Unternehmen zur Mobilität soll es geben.
Autos soll man sich teilen können.

In der Grenz-Region Bayern und Tirol soll es Förderungen geben.

Das empfehlen wir:

Die Kosten für Tickets in der Grenz-Region Bayern und Tirol bei:

  • Bus,
  • Bahn,
  • Straßen-Bahn
  • und S-Bahn

soll man angleichen.

Menschen sollen für ihr Ticket in der Grenz-Region Bayern und Tirol gleich viel bezahlen.

Das empfehlen wir:

Es soll Service-Stellen geben.
Die Service-Stellen können informieren.
Die Service-Stellen können zu Angeboten in nahen Regionen informieren.

Lesen Sie hier die ausführlichen Ergebnisse 'Angebotsdefizite'

Beispiel: Beispiel: Ein*e bayrische*r Sachwalter*in berichtete von Erfahrungen mit Klienten*innen im ländlichen Raum. Nach einigen Anstrengungen konnte ein Arbeitsplatz für einen Menschen mit psychischen Behinderungen gefunden werden. Nach einem erfolgreichen Einstellungsverfahren konnte die Arbeitsstelle jedoch nicht angetreten werden, da die notwendigen öffentlichen Verkehrsmittel fehlten und die finanziellen Ressourcen für einen regelmäßigen Fahrten- bzw. Taxidienst für die betreffende Person nicht tragbar waren.

Beispiel: Ein*e Mitarbeiter*in einer Bayrischen Institution berichtete von einer Erfahrung mit einem*er Klienten*in. Beim Transport zum Arbeitsplatz, musste die/der betreffende Klient*in an der Grenze aussteigen und diese zu Fuß überqueren, um anschließend vom Fahrdienst der Arbeitsstelle, auf der anderen Seite der Grenze, abgeholt zu werden. Diese Situation ergab sich einerseits daraus, dass öffentliche Verkehrsmittel fehlten und andererseits, dass die Finanzierung von Fahrdiensten auf Grenzen beschränkt sind.

In den Grenzregionen Bayerns und Tirols fanden sich Berichte von Angebotsdefiziten innerhalb aller Gruppen. Diese betreffen Angebote in den Bereichen „Arbeit“, „Bildung“, „Freizeit“ und „Wohnen“, jedoch wurden sie als besonders ausgeprägt und einschränkend im Bereich der Mobilität beschrieben. Das Angebotsdefizit im Bereich der Mobilität ergibt sich dabei aus fehlenden bzw. nicht barrierefreien öffentlichen Verkehrsmitteln, unzureichenden Förderstrukturen, ungenügend finanzierten Assistenzleistungen bei der Begleitung oder fehlenden Zuständigkeiten von Fahrdiensten. Dabei sind besonders infrastrukturschwache rurale Gebiete mit der Problematik von Mobilitätsdefiziten konfrontiert. Zusätzlich erschwert wird dieses Phänomen durch Informationsdefizite bezüglich Anspruchsvoraussetzungen und Prozessen der Antragsstellung zur Erlangung entsprechender Mobilitätsförderungen. Die unzureichende Qualität, Zentralität und Barrierefreiheit (leichter lesen) von Informationen bestehender Förderstrukturen werden als Hürden identifiziert.

Angehörige, Institutionen und Träger attestieren den Prozessen der Antragsstellung und Abwicklung einen hohen Grad an Bürokratismus. Dies wird vor allem an „unbeweglichen“ Anspruchskriterien und Förderhöhen festgemacht, wobei fehlende Teilförderungen und einkommensabhängige Leistungen besonders kritisiert werden. Seitens der Institutionen und Träger wird auch von Demarkationskonflikten in den Verantwortungsbereichen bei grenzübergreifender Inanspruchnahme berichtet. Fehlende legistische Grundlagen und politische Kooperationen werden als Erklärungen dafür herangezogen. Angehörige und Betroffene verweisen teilweise auf ein weiteres Problem im Bereich der Mobilität. Dieses umfasst die isolierte Angebotsgestaltung für Menschen mit Behinderungen. Freizeitmöglichkeiten, Arbeits-, Ausbildungs- und Wohnplätze sind gestreut über diverse Anbieter und Regionen. Resultierend daraus erhöhen sich die Distanzen zwischen den Angeboten und die Abhängigkeit von Mobilitätsdienstleistungen, bei versuchter Inanspruchnahme unterschiedlicher Angebote.

Das Angebotsdefizit in der Mobilität zieht schlussendlich zwei Konsequenzen nach sich. Erstens, mögliche Angebote für passende Freizeitmöglichkeiten, Arbeits-, Ausbildungs- und Wohnplätze sowie Therapien, medizinischen Leistungen oder persönliche Assistenzen werden aufgrund der Unerreichbarkeit nicht wahrgenommen. Zweitens, kommt es im Umkehrschluss zur Verknappung von Angeboten für Menschen mit Behinderungen da vielfach fehlende Nachfrage unterstellt wird, wenngleich das Problem ein anderes ist. Kurzum: Mangelnde Mobilitätsmöglichkeiten bedingen geringere Inanspruchnahme von Angeboten, was als mangelnde Nachfrage interpretiert und in reduzierte Angebotsstrukturen überführt wird.

Handlungsfelder

Aus den Berichten der Teilnehmer*innen können drei Handlungsfelder abgeleitet werden. Das erste Handlungsfeld richtet sich an die regionale und interregionale Infrastrukturentwicklung. Vordergründig ist, neben Linienausbau und Frequenz, eine generelle Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr zu gewährleisten. Diese sollte Haltestellen, Bahnhöfe und Ähnliches einschließen. Entwicklungsbestrebungen sollten, wo es möglich ist, an den Bedarfen ausgerichtet werden. Entscheidend ist zudem die interregionale Kooperation von politischen Akteuren und der Verwaltung, um einheitliche grenzübergreifende Grundlagen und Angebote zu schaffen und Demarkationskonflikte in den Verantwortungsbereichen auszuräumen.

Der zweite Bereich befasst sich mit den gegebenen Mobilitätsförderstrukturen für Menschen mit Behinderungen. Hier sind zwei gegenläufige Tendenzen unter den Teilnehmer*innen erkennbar. Eine Richtung tendiert zu erhöhten und einkommensunabhängigen Förderungen mit geringerem bürokratischem Aufwand in der Antragsstellung. Dabei sollen auch Informationsstellen geschaffen werden, die über Förderlandschaften und Antragsbedingungen beraten. Die zweite Strömung setzt hingegen auf eine generelle Kostenfreistellung für Menschen mit Behinderungen bei der Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs. Finanzielle und bürokratische Hürden sollen dadurch minimiert bzw. abgebaut werden.

Das dritte Handlungsfeld bezieht sich auf die Angebotsentwicklung für Menschen mit Behinderungen. Kernelemente sind eine partizipative und sozialraumnahe Ausgestaltung von Angeboten mit dem Ziel, Fahrwege oder Fahrtzeiten und den Bedarf öffentlicher Verkehrsmittel im alltäglichen Leben zu verringern.

Handlungsempfehlungen

  1. Ausbau des barrierefreien öffentlichen Personennahverkehrs und die Erschließung ruraler Regionen.
  2. Ergänzung und Förderung bestehender öffentlicher Angebote durch private Lösungsmechanismen, die teilweise bereits zur Anwendung kommen wie: Fahrgemeinschaften, Car-Sharing oder Nachbarschaftshilfen.
  3. Entwicklung und Ausbau barrierefreier Taxis.
  4. Ansiedeln bzw. fördern von Fahrdiensten bei Trägern für ein flächendeckendes Mobilitätsangebot.
  5. Stärkere Sozialraumorientierung bei der Angebotsentwicklung. (Dezentralisierung und Bedarfsanpassung)
  6. Harmonisierung des grenzübergreifenden Tarifsystems bzw. Regelwerks des ÖPNVs in Bezug auf Assistenzen von Menschen mit Behinderungen.

Inklusion am Arbeitsplatz

Inklusion am Arbeitsmarkt

Menschen mit und ohne Behinderungen sollen gemeinsam arbeiten können.

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Menschen mit Behinderungen sollen am ersten Arbeitsmarkt arbeiten können.
Das ist noch schwierig umzusetzen, weil:

  • Viele Informationen stimmen nicht.
  • Menschen wissen nicht wie sie miteinander umgehen können.
  • Menschen Vorurteile haben.
  • Man den Arbeitsplatz manchmal nicht anpassen kann.
  • Unterstützung und Assistenz gibt es wenig.
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Viele Arbeitgeber wissen nicht:
Diese Bedingungen gelten für Menschen mit Behinderungen.
Zum Beispiel: Welchen Schutz vor einer Kündigung sie haben.
Viele Arbeitgeber können auch Unterstützung mit Geld bekommen.
Das wissen nicht alle Arbeitgeber.

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Es braucht Beratung und Begleitung von Arbeitgebern und von Menschen mit Behinderungen.
Man soll Arbeitgeber direkt ansprechen.

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In den Regionen gibt es wenig Angebote zur Arbeit für Menschen mit Behinderungen.
Es gibt wenig Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt.
Menschen mit Behinderungen haben Kompetenzen und Fähigkeiten.
Für die Kompetenzen und Fähigkeiten gibt es wenig Angebote zur Arbeit.

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Förderungen mit Geld und Unterstützungs-Leistungen gibt es nicht zwischen nahen Regionen.

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Eine Vermittlung in Arbeit oder Bildung von Menschen mit Behinderungen innerhalb der Grenz-Region      Bayern-Tirol gibt es nicht.
Förderungen sind fast nicht möglich.
Weil es bei der Verwaltung vielleicht einen hohen Aufwand gibt.

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Angebote in den Bereichen:

  • Ausbildung
  • und Arbeit

in der Grenz-Region Bayern und Tirol gibt es wenig.
Es gibt nur Angebote in den einzelnen Ländern.

Handlungs-Felder und Handlungs-Empfehlungen

Förderungen für Arbeitgeber

Das empfehlen wir:

Arbeitgeber sollen eine Förderung bekommen.
Dann können sie Menschen mit Behinderungen einstellen.
Es soll mehr Zeit geben.
Menschen mit Behinderungen sollen neue Arbeitsplätze kennenlernen.
Und erst dann in den ersten Arbeitsmarkt wechseln.

Absprachen zwischen den Regionen für gesetzliche Grundlagen.

Das empfehlen wir:

Für Unterstützungs-Leistungen soll der gleiche Grad der Behinderung gelten.
Das soll man in den Regionen anpassen.

Das empfehlen wir:

Die Voraussetzungen für Kündigungen sollen in den Regionen gleich sein.

Informationen und Austausch für Arbeitgeber.

Das empfehlen wir:

Menschen mit Behinderungen sollen Menschen mit Behinderungen beraten.
Das nennt man: Peer-Beratung.
Das spricht man so: pir Beratung.
Eine Beratung kann es zu guten Projekten in Unternehmen geben.
Die Projekte können ein Vorbild für andere Unternehmen sein.

Das empfehlen wir:

Es soll Service-Stellen geben.

Das empfehlen wir:

Arbeitgeber sollen Informationen bekommen zu:

  • Wie kann ich Menschen mit Behinderungen einstellen.
  • Welche Formen von Kündigungen gibt es.
  • Welche Förderungen mit Geld gibt es.

Wie Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenarbeiten können.
Soll sich verbessern.

Das empfehlen wir:

Es soll eine längere Begleitung und Beratung von den Menschen geben.

Das empfehlen wir:

Vielleicht bringt ein Mensch mit Behinderungen eine andere Arbeit.
Dann soll es eine Unterstützung mit Geld für Arbeitgeber geben.
Das soll über einen längeren Zeitraum passieren.

Angebote zur Bildung und Angebote am Arbeitsmarkt soll man vor Ort ausbauen.

Lesen Sie hier die ausführlichen Ergebnisse 'Arbeitsplatzinklusion'

Beispiel: Ein*e Arbeitgeber*in mit einem Unternehmen in Bayern berichtete über den Einstellungsprozess eines Menschen mit geistiger Behinderung. Der Erstkontakt fand über die direkte Ansprache (Kaltakquise ) durch eine*n Mitarbeiter*in jener Einrichtung statt, in der die arbeitssuchende Person beraten und betreut wurde. Die interviewte Person hatte zuvor nicht in Erwägung gezogen, einen Menschen mit Behinderungen anzustellen – bis zur direkten Ansprache. Die direkte Ansprache regte jedoch ein Umdenken an und ein Einstellungsprozess war die Folge. Durch die Beratung des Unternehmers / der Unternehmerin und die engmaschige Begleitung des Menschen mit Behinderung konnten erste Berührungsängste und Vorurteile abgebaut werden. Derzeit ist die betroffene Person auf einer Ausbildungsstelle und hat innerhalb sowie außerhalb des Unternehmens eine*n Ansprechpartner*in.

 

Aus Perspektive der Arbeitgeber*innen, Träger und Verwaltungsbehörden, ist die Einstellung von Menschen mit Behinderungen im ersten Arbeitsmarkt von Berührungsängsten, Vorurteilen, und der Angst zusätzliche Verantwortung zu übernehmen gekennzeichnet. Seitens der Arbeitgeber*innen wird von fehlender Ressourcenbereitstellung für Arbeitsplatzanpassungen oder Assistenzen am Arbeitsplatz berichtet. Erschwerend ist, dass falsche Informationen in Arbeitgeber*innenkreisen kursieren bezüglich des erhöhten Kündigungsschutzes und bereitgestellten Förderleistungen. Arbeitgeber*innen sind zudem am ehesten dazu bereit einen Menschen mit Behinderungen einzustellen, wenn sie direkt darauf angesprochen und ausreichend begleitet werden. Dabei ist während der Vermittlungs- und Einarbeitungsphase von Menschen mit Behinderungen eine ausreichende Beratung und Begleitung (Jobcoaches etc.) besonders wichtig.
Für Angehörige, Betroffene, Institutionen und Träger besteht ein Angebotsdefizit an spezifischen Tätigkeitsfeldern für Menschen mit Behinderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Dies ist einerseits zurückzuführen auf fehlende Inklusions- bzw. Förderangebote für Menschen mit Behinderungen, die auf eine sukzessive Überführung von institutionellen Strukturen in den ersten Arbeitsmarkt ausgerichtet sind. Andererseits stellen mangelnde Arbeitsplatzangebote die den individuellen Kompetenzen der Betroffenen entsprechen eine Inklusionshürde dar. Als zusätzliches Hemmnis wird die Verantwortungsdistribution zulasten der Arbeitgeber*innen bewertet, welche zuletzt auf den (finanziellen) Risiken, bei Arbeitsausfällen oder Minderleistungen, sitzen bleiben.
Allgemein war das Thema der grenzübergreifenden Vermittlung in Arbeit, bzw. das Fördern der Aufnahme von Arbeit am ersten Arbeitsmarkt nur ein Randthema. Die Gründe dafür waren jedoch über alle Zielgruppen hinweg gleich: Der bürokratische Aufwand sei zu groß, entsprechende Fördersysteme fehlen und die Rechtfertigungshürden zu grenzübergreifenden Förderungen sind viel zu hoch.
Die Bewertung vorhandener Sanktionssysteme bzw. Strafzahlungen für Betriebe die ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl keine Menschen mit Behinderungen beschäftigen fallen über alle Zielgruppen hinweg ambivalent aus. Für Angehörige und Betroffene fallen die etablierten Sanktionssysteme, in Form von Strafzahlungen, zu gering aus, um die Einstellung von Menschen mit Behinderungen zu incentivieren. Arbeitgeber*innen, Institutionen und Träger stellen die Notwendigkeit und Wirkung von Sanktionen in der Form von Strafzahlungen generell infrage. Zuletzt wird auf die Selbstbestimmung bei der Arbeitsmarkinklusion verwiesen. Manche Betroffene fühlten sich bei der Vermittlung teilweise übergangen, da für sie der Verbleib im zweiten oder dritten Arbeitsmarkt bereits als ausreichende Teilhabe am Arbeitsleben wahrgenommen wird. Institutionen und Träger berichteten von denselben Erlebnissen, dass die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt vielfach die Selbstbestimmung von Klient*innen übergeht. D. h. das normative Narrativ der Inklusion in den ersten Arbeitsmarkt, als essentieller Bestandteil von Inklusion und Teilhabe, ist hier nicht ohne die individuelle partizipative Berücksichtigung der Interessen von Menschen mit Behinderungen gültig.

Handlungsfelder

Als zentrales Handlungsfeld stellt sich die Sensibilisierung der Arbeitgeber*innen heraus. Möglichkeiten bieten hier die Intensivierung der Begleitung, Beratung und Assistenz am Arbeitsplatz für Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen. Eine direkte Ansprache bzw. „Kaltakquise“ von Arbeitgeber*innen durch die zuständigen Dienste könnte zur Aktivierung beitragen. Zudem bedarf es im Bereich der Vermittlung, Begleitung, Beratung und Assistenz sowie bei Arbeitsplatzanpassungen einer zusätzlichen Ressourcenbereitstellung. Ein weiteres Handlungsfeld bezieht sich auf die Informationsdistribution um falsche Informationen (z. B. erhöhter Kündigungsschutz, Minderleistungszuschüsse o. Ä.) vorzubeugen. Da die Verantwortungsdistribution zulasten der Arbeitgeber*innen (finanzielles Risiko und nachteilsfreier Ausstieg) ein Hemmnis darstellen kann, könnten bestehende Rahmenbedingungen angepasst werden, um Inklusionschancen zu fördern. Ob eine Vermittlung stattfindet bzw. angestrebt wird, oder der Verbleib in geförderten Beschäftigungsstrukturen gewünscht ist, wird als zentraler Aspekt der Selbstbestimmung wahrgenommen. Wenn die sozialraumnahe Inklusion und Teilhabe von Menschen das oberste Ziel ist, dann kann dieses der Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt durchaus entgegenstehen. Auch hier könnte die zusätzliche Informationsverbreitung und Sensibilisierung der involvierten Akteure Abhilfe schaffen. Zuletzt wird auf das Feld der bestehenden Sanktionssysteme verwiesen. Eine partizipative Konzeption von neuen Systemen zur Incentivierung der Arbeitgeber*innen könnte die ambivalente Wahrnehmung von Strafzahlungen ausgleichen und zu einem inklusiven System beitragen.

Lesen Sie hier die ausführlichen Ergebnisse 'Finanzierungsbegrenzung'

Beispiel: Ein*e betroffene*r Erhebungsteilnehmer*in mit körperlichen Behinderungen beschrieb den Umweg zur Erlangung eines regulären Pflichtschulabschlusses. An seinem / ihrem ursprünglichen Wohnort gab es, neben einer allgemeinen Sonderschule, keine Bildungsmöglichkeiten mit passender Pflegeleistung für Jugendliche mit ihren / seinen spezifischen körperlichen Behinderungen. Obwohl sich der Wohnort in Grenznähe zu Bayern befand und ein passendes Angebot hinter der Grenze identifiziert wurde, fehlten in der subjektiven Einschätzung und Erfahrung die nötigen Förderstrukturen. Die / Der Betroffene war gezwungen, den Pflichtschulabschluss über den Aufenthalt in einem Internat, losgelöst von familiärem und sozialem Umfeld, zu erreichen. 

Beispiel: Von einer Vermittlung zur Ausbildung jenseits der Grenze wird Abstand genommen, beschreibt ein*e Mitarbeiter*in eines Tiroler Rehabilitationsanbieters, da die nötigen finanziellen Unterstützungsleistungen fehlen bzw. eine grenzübergreifende Vermittlung mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden sei. Ein Einzelfall, bei dem eine grenzübergreifende Vermittlung nach Bayern bei den Verwaltungsbehörden geltend gemacht werden konnte, war einzig möglich, da keine passende Ausbildungsstelle in Tirol vorhanden war.

Träger wie Integrationsfachdienste, Arbeitsmarktservices oder Rehabilitationsstellen verzichten vorwiegend auf eine grenzübergreifende Vermittlung von Menschen mit Behinderungen in Ausbildungs- und Arbeitsangebote. Grund dafür ist die Beschränkung der Finanzierung von Ausbildungen und Umschulungen oder die Unterstützung von Arbeitgeber*innen für eine Arbeitsplatzanpassung, Förderungen für eine Minderleistung, Inklusionsförderungen oder Arbeitsassistenzen auf nationale Kontexte. Dies ist zurückzuführen auf nationale Differenzen in den Förderstrukturen und Soziallandschaften der beiden Regionen. Zudem erschwert die bereits erwähnte fehlende grenzübergreifende Anerkennung bzw. Harmonisierung von eingestuften Behinderungen die Vermittlung.
Institutionen und Träger weisen auf nationale Defizite im Ausbildungs- und Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderungen hin. Der Ausgleich nationaler Angebotsdefizite sollte Vorrang gegenüber der Entwicklung grenzübergreifender Angebote haben. Nationale Angebote sollen ausgeweitet und etabliert werden, bevor angedacht wird an internationale Angebote anzuknüpfen.

Handlungsfelder

Die Begrenzung von Finanzierungen bzw. Unterstützungsleistungen bei einer grenzübergreifenden Wahrnehmung des Ausbildungs- oder Arbeitsmarkts wird als gesamtgesellschaftliches Problem wahrgenommen. Es fehlen interregionale Grundlagen, Vereinheitlichungen und universelle Fördersysteme auf EU-Ebene. Hinzu kommen die fehlende Anerkennung bzw. Harmonisierung bei Einstufungen von Behinderungen. Somit wäre das erste Handlungsfeld, die nötigen interregionalen rechtlichen Grundlagen zu schaffen und eine Harmonisierung bestehender Systeme anzustreben. Das zweite Feld bezieht sich auf den Ausbau von nationalen Bildungs- und Arbeitsmärkten. Einerseits sollen dadurch bestehende Defizite ausgeglichen werden. Andererseits können so anschlussfähige Angebote im interregionalen Feld platziert werden. Das letzte Handlungsfeld bezieht sich auf Finanzierungsmöglichkeiten, wenn Bildungs- oder Arbeitsmarktangebote grenzübergreifend von Betroffenen wahrgenommen werden. Eine erste Möglichkeit bietet die Etablierung von eigenen Fördersystemen für grenznahe Regionen, um interregionale Leistungen beanspruchen zu können. Die zweite Möglichkeit schließt an das bereits bestehende persönliche Budget an. Dieses könnte erweitert werden, um Finanzierungen von nationalen Grenzen zu lösen und an die Betroffenen selbst zu binden. Damit können Betroffene, selbstbestimmt und regionsunabhängig, Dienstleistungen überregional zukaufen.

Lesen Sie hier die ausführlichen Ergebnisse 'Legistische Inklusionshemmnisse'

Viele der bereits erwähnten und auch folgenden Inhalte berühren rechtliche Aspekte. Im Besonderen soll hier der Kündigungsschutz nochmal aufgegriffen werden, da er über alle Zielgruppen hinweg intensiv thematisiert wie problematisiert wurde.

Beispiel: Mitarbeiter*innen der Arbeitgeber*innenvertretungen in Bayern und Tirol berichten von derselben Problematik, die mit einem erhöhten Kündigungsschutz und ausfallenden Förderleistungen einhergehen. Trotz Informationskampagnen, Seminaren und Workshops für interessierte Arbeitgeber*innen bleiben falsche Informationen bestehen. Diese äußern sich durch Aussagen wie: „Wenn ich den mal drin hab, bleibt der picken.“ oder „Wenn die Arbeit nicht mehr gemacht wird, muss ich zahlen.“. 

Beispiel: Eine bayrische Trägereinrichtung berichtet von der Schwierigkeit, Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Es besteht die Wahrnehmung, dass Menschen mit einem Grad der Behinderung von über 50 Prozent nahezu unkündbar seien. Nachweise über Vertragsverstöße von Arbeitnehmer*innen seien kaum nachweisbar. Die Nachteile lägen fast ausschließlich bei den Arbeitgebern*innen, die für Abfindungen und Ausfallzahlungen aufkommen müssten. Zudem ist das Vertrauen der Arbeitgeber*innen in vermittelnde Trägerschaften gering, da neutrale Informationskanäle fehlen.

Im Zusammenhang mit dem erhöhten Kündigungsschutz des Behinderteneinstellungsgesetzes (Österreich) oder des Sozialgesetzbuchs IX (Deutschland) wird eine besondere Problematik angesprochen. Die Teilnehmer*innen berichten, dass Arbeitgeber*innen teils nicht wissen, wie es um einen erhöhten Kündigungsschutz steht bzw. arbeiten unter falschen Annahmen. Es wird davon ausgegangen, dass mit einer Einstellung eines Menschen mit Behinderungen eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausgeschlossen oder deutlich erschwert sei. Dadurch nehmen Arbeitgeber*innen vielfach Abstand davon, Menschen mit Behinderungen einzustellen. Dies führt in weiterer Konsequenz auch zu verknappten Arbeitsplatzangeboten für diese Personengruppe.
Neben den bestehenden falschen Informationen, beschreiben Angehörige, Arbeitgeber*innen, Institutionen und Träger die Verantwortungsabgabe von finanziellen Risiken an Arbeitgeber*innen, welches als Hemmnis auftritt. Beim Übergang von Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt stehen anfänglich Förderungen für etwaige Minderleistungen oder Einarbeitungsphasen zur Verfügung. Die weitere Finanzierung, auch bei längeren Arbeitsausfällen oder fehlender Arbeitsleistung, bleibt bei den Arbeitgebern*innen zurück. Zusätzlich sehen Arbeitgeber*innen fehlende legistische Grundlagen, die Arbeitnehmer*innen in die Pflicht nehmen nötige Qualifizierungsmaßnahmen zu nutzen, um die Kompetenzen zu erweitern und für die notwendige Begleitung am Arbeitsplatz zu sorgen.

Handlungsfelder

Ein zentrales Handlungsfeld bietet auch hier die Sensibilisierung und Aufklärung über gesetzliche Vorgaben der Arbeitgeber*innen. Besonders die Erfahrungszentrierung anhand von Best-Practice-Beispielen und der Peer-Beratung durch Arbeitgeber*innen, die bereits Erfahrungen mit der Einstellung von Menschen mit Behinderungen haben, könnte hier genutzt werden. Ein weiteres Handlungsfeld bietet die Verlängerung des Übergangs in den ersten Arbeitsmarkt, mittels längerer Zeiträume der Begleitung und Beratung in der Einarbeitungsphase und die zeitliche Ausweitung der Förderungen für etwaige Minderleistungen. Zudem wird von den Teilnehmern*innen auf die Etablierung von Servicestellen für Arbeitgeber*innen verwiesen. Diese könnten Informationen zu gesetzlichen Grundlagen, Einstellungsprozessen, Qualifizierungsmaßnahmen und Förderstrukturen verdichten und aufbereiten um den Arbeitgeber*innen als Anlaufstelle zu dienen. Allgemein ist hier festzuhalten, dass besonders die unintendierten Folgen intendierter Handlungen, wie beispielsweise der Kündigungsschutz zur vermehrten Arbeitsmarktinklusion von Menschen mit Behinderungen, in der Praxis durchaus negative Konsequenzen haben können. Daraus ergibt sich die Wichtigkeit partizipativer Lösungsstrategien.

Handlungsempfehlungen

  1. Aufklärung und Vernetzung der Arbeitgeber*innen über Peer-Beratungen und Best-Practice-Beispiele.
  2. Sensibilisierung der Arbeitgeber*innen über Öffentlichkeitsarbeit, Informationskampagnen und Workshops.
  3. Etablierung zentraler, niederschwelliger, barrierefreier Informationsstellen bzw. Servicestellen für Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen.
  4. Zusätzliche Anreize schaffen für Arbeitgeber*innen, wie Sonderförderungen und Prämien für Unternehmen die nicht Einstellungspflichtig sind. Möglich ist auch eine Verlängerung des Übergangsprozesses von Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt.
  5. Schaffung von harmonisierten rechtlichen Grundlagen und universeller Fördersysteme auf nationaler und europäischer Ebene, wie etwa der benötige Grad der Behinderung für Unterstützungsleistungen oder die Angleichung von Kündigungsmodalitäten.
  6. Entwicklung neuer Systeme für eine interregionale Inanspruchnahme von Leistungen. Z.B. Etablierung eines an die (optimierte) Einstufung angepassten Systems eines persönlichen Budgets. Förderungen an Personen und nicht an Grenzen binden.
  7. Entwicklung und Ressourcenbereitstellung für die Übergangsprozesse. Von der Kaltakquise bis zur Einarbeitung und Begleitung am Arbeitsplatz.
  8. Partizipative Konzeption von Sanktionssystemen um Arbeitgeber*innen bei der Einstellung von Menschen mit Behinderungen zu incentivieren.
  9. Nationale Weiterentwicklung von Bildungs- und Arbeitsmarktangeboten, um ein interregional anknüpfungsfähiges Angebot zu schaffen.

Grad der Behinderung

Grad der Behinderung

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Menschen mit Behinderungen können den Grad der Behinderung bewerten lassen.
Der Grad der Behinderung sagt:

  • Welche Behinderungen ein Mensch hat.
  • Und wie die Behinderungen sein Leben beeinflussen.

Der Grad der Behinderung wird von Gutachtern festgestellt.
Das kritisieren viele Menschen:
Es gibt wenig Merkmale für die vielen Behinderungen.
Man kann sie schwierig einstufen.
Bei der Feststellung geht es häufig um medizinische Merkmale.
Das ist nicht gut.
Wie man Menschen fördern kann.
Und was Menschen können soll man mehr anschauen.

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Vielleicht möchten Menschen mit Behinderungen Angebote in der Grenz-Region Bayern und Tirol nutzen.
Dann muss man den Grad der Behinderung in Bayern und Tirol feststellen.
Jedes Land hat dabei seine eigenen Regeln.

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Die Anträge für den Grad der Behinderung sind schwierig zu stellen.
Viele Menschen haben Fragen.
Viele Menschen wissen nicht:
So können Sie sich bei einem falschen Gutachten wehren.

Handlungs-Felder und Handlungs-Empfehlungen

Das Vorgehen für die Feststellung vom Grad der Behinderung soll man neu-gestalten.

Das empfehlen wir:

Anträge soll man leichter stellen können.

Das empfehlen wir:

Menschen sollen bei der Feststellung von den Merkmalen der Behinderung einbezogen sein.
Sie sollen sagen können: Das kann ich.
Und sie sollen sagen können: Das kann ich nicht.

 

Es gibt Merkmale für die Feststellung vom Grad der Behinderung.
Jedes Land hat dabei seine eigenen Regeln.
Die Merkmale sollen in allen Ländern gleich sein.

Das empfehlen wir:

Es soll einen europäischen Behinderten-Ausweis geben.

Unterstützung bei der Feststellung beim Grad der Behinderung durch einen Rechtsanwalt.
Ein Rechtsanwalt kennt sich gut mit Rechten aus.
Er unterstützt Menschen in ihren Rechten.
Alle Menschen haben Rechte.

Das empfehlen wir:

Unterstützung bei den Rechten von einem Menschen.

Das empfehlen wir:

Es soll neutrale Beratungsstellen geben.

Lesen Sie hier die ausführlichen Ergebnisse 'Grad der Behinderung'

Beispiel: Ein*e Tiroler Angehörige*r eines Menschen mit körperlichen Behinderungen und Lernschwierigkeiten berichtete von den problematischen Erlebnissen während des Einstufungsprozesses. Die interviewte Person berichtete von Auto- und Fremdaggressionen der Betroffenen, welche eine ganztägige und enge Begleitung bedingen. Während des Einstufungsprozesses traten die beschriebenen Verhaltensauffälligkeiten jedoch kaum zutage, was zu einer niedrigen Einstufung führte. Dies bedeutete, geringere Unterstützungsleistungen zu beziehen und einen Großteil der ganztägigen und engmaschigen Begleitung in Eigenleistung zu erbringen. Die Befragte Person war gezwungen seine / ihre Arbeitsstelle zu verlassen sowie das Sozialleben enorm einzuschränken, um die realen Bedarfe in der Unterstützung abzudecken.

Beispiel: Ein*e Tiroler Betroffene*r mit körperlichen Behinderungen erwähnte während des Interviews: „ich bin in Deutschland nicht behindert“. Die betroffene Person erzählte von einem Wochenendausflug nach Deutschland. Zur Anreise wurden öffentliche Verkehrsmittel verwendet. Während der Fahrscheinkontrolle in Deutschland verwies der Schaffner auf den fehlenden Eintrag der Assistentin / des Assistenten im Behindertenausweis. Daraufhin musste ein zusätzliches Ticket gekauft werden. In Österreich ist dies für Assistent*innen nicht notwendig. Da die betroffene Person den Einstufungsprozess in Österreich bereits mit einem komplexen Prozess der Antragstellung verband, welcher mit vielen Unsicherheiten behaftet war, sah sie davon ab, sich erneut in Deutschland für zukünftige grenzüberschreitende Aktivitäten einstufen zu lassen.

Von Menschen mit Behinderungen wird die Definition bzw. Einstufung ihrer Behinderung als willkürliche Momentaufnahme und als zu starke Abhängigkeit von Begutachter*innen empfunden. Medizinische Kriterien sind dabei meist ausschlaggebend für eine Einstufung. Dies stößt besonders bei Dienstleistern, Trägern und Angehörigen auf Unverständnis, da die medizinische Defizitorientierung nicht mehr der tatsächlichen Praxis einer kompetenzorientierten Förderung entspricht. Zusätzlich fehlen den Kriterien zur Einstufung die nötigen Trennschärfen und Facetten, um ein breites Spektrum an Behinderungen zufriedenstellend einzustufen. Dadurch werden Menschen mit psychischen Behinderungen wesentliche Benachteiligungen gegenüber Menschen mit physischen Behinderungen attestiert. D. h. offensichtliche Behinderungen haben einen geringeren Rechtfertigungsdruck als jene, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Die Hürden, aufgrund psychischer Behinderungen eine Einstufung zu beantragen, sind wegen der Angst vor Stigmatisierung sehr hoch. Eine niedrige Einstufung oder die umfangreiche Rechtfertigung gestellter Ansprüche werden hier als problematisch identifiziert und unterminieren in Teilen die Bestrebungen den Einstufungsprozess entweder in Anspruch zu nehmen oder einen zufriedenstellenden Ausgang zu verfolgen. Zudem besteht die Wahrnehmung, dass interpersonelle Fähigkeiten (Kommunikation, Offenheit) eine treffende Einstufung begünstigen. Das sorgt für Unmut, da die meisten Förderstrukturen erst nach einer formalen Anerkennung bzw. Einstufung einer Behinderung zugänglich sind. Die von Betroffenen eingereichten Anträge auf Förderleistungen sind somit immer mit Unsicherheit und der Abhängigkeiten von Verwaltungsmitarbeiter*innen behaftet. Erschwerend ist zum einen, dass die Art, der Schweregrad oder das Bestehen einer Behinderung der gesetzlichen Definition des jeweiligen Landes oder Bundeslandes unterliegt und somit verschiedene Leistungsansprüche bestehen. Das heißt, was im Land A förderfähig ist, muss im Land B nicht zwingend Anerkennung finden oder gefördert werden. Eine grenzüberschreitende Angebotswahrnehmung bedeutet somit, dass Behinderungen in beiden Ländern nachgewiesen werden müssen. Zum anderen wird die Antragsstellung als zu komplex und bürokratisch wahrgenommen. In Summe bedingen diese Umstände oft Ohnmachtsgefühle bei Betroffenen und Angehörigen. Die Antragstellung wie Anfechtungen von Bescheiden wachsen sich so in den individuellen Lebenswelten zu konkreten Zugangshemmnissen zu spezifischen Angeboten aus und werden als fremdbestimmend und diskriminierend wahrgenommen.

Handlungsfelder

Mögliche Handlungsfelder drehen sich um Änderungen im Begutachtungsprozess, Unterstützungsmechanismen bei negativen Bescheiden sowie legistischen Adaptionen. Angesprochene Änderungen im Begutachtungsprozess betreffen die Neuausrichtung der medizinisch defizitorientierten Einstufungskriterien, individuell angepasste Begutachtungsprozesse mit partizipativer Ausarbeitung behördlicher Bescheide, die den Kompetenzen und Bedürfnissen der Betroffenen entsprechen und die freie Wahl der Ärztin oder des Arztes für die Einstufung. Für die Schaffung von Unterstützungsmechanismen während des Begutachtungsprozesses würden sich der Ausbau bzw. die Involvierung von Behinderten- und Patientenvertretungen sowie Volks-, Patient*innen- und Behindertenanwält*innen anbieten. Diese sollen die Antragsstellung, Begutachtungsprozesse und Widersprüche gegen Einstufungsbescheide begleiten. Das letzte Handlungsfeld befasst sich mit legistischen Adaptionen auf nationaler und internationaler Ebene. Diese betreffen die Standardisierung des Einstufungsverfahrens innerhalb der Länder und daran gebundener Leistungsansprüche sowie die Harmonisierung der Definitionen und Einstufungen auf europäischer Ebene.

Handlungsempfehlungen

  1. Komplexitätsreduktion bei der Antragsstellung und der Begutachtung für die Einstufung des Behinderungsgrades, wie etwa barrierefreie Informationen, zentrale Anlaufstellen und transparente Verfahren.
  2. Partizipative Konzeption des Einstufungsverfahrens sowie die Entwicklung kompetenzorientierter Einstufungskriterien unter Einbindung aller Stakeholder.
  3. Einbindung von Anlaufstellen und rechtlicher Unterstützung in den Einstufungsprozess (z. B. Interessensvertretungen, Ombudsstellen, Nutzer*innenvertretung, Behinderten-, Patient*innen- und Volksanwält*innen, Peers).
  4. Überregionale Kooperation zwischen den behördlichen Institutionen und Verwaltungsapparaten bzw. das Forcieren eines europäischen Behindertenausweises.

Digitalisierung

Digitalisierung

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Immer mehr in unserer Welt funktioniert digital.
Zum Beispiel:

  • Telefon,
  • Handy,
  • Computer
  • und Internet.

Viele Menschen nutzen digitale Angebote.
Digitale Angebote funktionieren verschieden.
Menschen informieren sich darüber.
Dann nutzen sie digitale Angebote vielleicht in ihrem Alltag.
Für einige Menschen mit Behinderungen können digitale Angebote manchmal schwierig sein.
Sie haben Hürden im Alltag.
Und können die digitalen Angebote vielleicht weniger leicht nutzen.
Sie können sich dann vielleicht weniger gut informieren.
Zum Beispiel über:

  • Voraussetzungen über Qualifizierungen
  • Möglichkeiten am Arbeitsmarkt
  • Möglichkeiten zur Bildung.
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Digitalisierung ist für viele Leistungen zur Unterstützung wichtig.
Menschen können dann häufig selbst handeln.
Vielleicht ist die Mobilität eingeschränkt.
Dann können Menschen mit Behinderungen digitale Angebote nutzen.
Zum Beispiel: Müssen sie dann nicht in eine andere Stadt fahren.
Sie können von zu Hause am Angebot dabei sein.

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Mitarbeitende in Einrichtungen begleiten Menschen mit Behinderungen.
Die vielen digitalen Angebote sind oft auch für Mitarbeitende neu.
Manchmal haben sie Fragen.
Zum Beispiel: Wie kann ich Menschen mit Behinderungen gut bei den digitalen Angeboten begleiten?

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Unser Leben wird immer digitaler.
Es bestehen dabei die Gefahren:
Menschen können sich immer mehr einsam fühlen.
Daher ist besonders für Menschen mit Behinderungen ein persönlicher Austausch wichtig.
Sie sollen nicht nur von zu Hause aus arbeiten.
Sondern Menschen mit und ohne Behinderungen sollen sich begegnen.

Handlungs-Felder und Handlungs-Empfehlungen

Menschen mit Behinderungen sollen am Arbeitsleben teilhaben und dabei sein.

Das empfehlen wir:

Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen soll es weiterhin geben.
Vielleicht brauchen Firmen hier Förderungen mit Geld durch den Staat.

Das empfehlen wir:

Zum Thema Digitalisierung soll es Bildungsangebote für alle Menschen geben.

Menschen sollen sich begegnen können.
Und persönlich austauschen.

Das empfehlen wir:

Menschen sollen sich vor Ort begegnen können.
Zum Beispiel: Es soll Kaffees für Menschen mit und ohne Behinderungen geben.
Das heißt auch: Inklusions-Cafés.

Lesen Sie hier die ausführlichen Ergebnisse 'Digitalisierung'

Beispiel: Einschätzung bayrischer Teilnehmer*innen mit Behinderungen: „Mein Handy erleichtert mein Leben. Ich benutze Facebook und WhatsApp. Ich kann Sprachnachrichten schicken. Meine Mama kann mir auch eine Sprachnachricht schicken.“ „Die Digitalisierung hat den Nachteil, dass man nur zu Hause arbeitet, man hat keinen Kontakt zu Kollegen. Die Einsamkeit ist auch schlecht, wenn man zu Hause alleine arbeitet.“

Eine zentrale Veränderung in der Bildungs- und Arbeitswelt stellt der Digitalisierungsschub dar. Hinsichtlich der Digitalisierung gibt es ambivalente Wahrnehmungen. Einerseits wird die Digitalisierung als Inklusionschance für Menschen mit Behinderungen beschrieben. Vielfach wird die individuelle Handlungsfähigkeit massiv erweitert, besonders im Fall von Mobilitätseinschränkungen und diversen Unterstützungsleistungen (z. B. zeitnahe Rückmeldungen via Videotelefonie). Andererseits gibt es auch Hürden, wenn für die Nutzung digitaler Inhalte bzw. damit verbundener Tätigkeitsfelder im Erwerbsleben höhere Qualifikationsniveaus und Kompetenzen benötigt werden. Nicht jedes digitale Kommunikations-, Interaktions- und Arbeitsangebot ist auch ein niedrigschwelliges. Mögliche Vorteile der Digitalisierung sind somit an die jeweiligen Behinderungen gebunden. Zusätzlich wurde die Problematik der zunehmenden Automatisierung thematisiert, in deren Folge vielfach einfache Tätigkeiten wegfallen und somit dem Arbeitsmarkt als Tätigkeitsprofil nicht mehr zur Verfügung stehen. Besonders für Menschen mit Lernschwierigkeiten können höhere Qualifikationsanforderungen bzw. Neuorientierungen Hemmnisse darstellen und bedingen teilweise höhere Unterstützungsbedarfe.

Die Teilnehmer*innen aller Zielgruppen identifizierten die Altersdisparität als ein weiteres Problem im Schatten der Digitalisierung. Jüngeren Alterskohorten wird eine höhere Digital Literacy attestiert, womit der Übergang zu digitalen Tätigkeiten mit weniger Aufwand bzw. Qualifizierungsleistungen verbunden wird. Hier kommt es teilweise zu einer starken altersbasierten Vorselektion, die nicht zwingend die individuellen Kompetenzen von Menschen mit Behinderungen widerspiegelt.

Institutionen und Träger verorten die Herausforderungen im Umgang mit den neuen digitalen Möglichkeiten auch als Herausforderung für ihr Personal. Die Begleitung von Menschen mit Behinderungen bei digitalen Tätigkeiten stellt hier vielfach für ältere Mitarbeiter*innen oft eine Herausforderung dar, da diese selbst im Umgang mit den neuesten digitalen Tools Schwierigkeiten haben. Um Betroffene weiter begleiten zu können ist auch hier eine Weiterqualifizierung notwendig.

Zuletzt wird auf die Problematik der sozialen Isolation verwiesen. Für Menschen mit Behinderungen ist die Bildungs- und Arbeitswelt (nicht nur der Arbeitsmarkt) oft zentral für die soziale Vernetzung und wird als tragender Faktor für eine erfolgreiche Inklusion in die Gesellschaft identifiziert. Durch den Wegfall analoger Arbeitsplätze und Präsenzpflichten werden zwischenmenschliche Kontakte begrenzt oder fallen gänzlich aus. D. h. manche Befragten äußerten Sorge darüber, formal integriert zu werden, da Partizipation über digitale Kanäle gewährleistet ist, aber der individuelle Sozialraum somit auch nur zu leicht auf die eigenen vier Wände beschränkt wird.

Handlungsfelder

Unter den Beiträgen der Teilnehmer*innen finden sich drei Handlungsfelder. Das erste Handlungsfeld bezieht sich auf die Schaffung eines altersaffinen und inklusiven Qualifizierungssystems zur Erlangung der nötigen Medienkompetenzen. Neben Menschen mit Behinderungen sollten auch für Assistent*innen Angebote geschaffen werden, um eine kompetente Begleitung zu ermöglichen. Dabei sind selbstbestimmte und individuelle Universallösungen anzustreben. Um der sozialen Isolation vorzubeugen, könnten zusätzliche Begegnungsräume (z. B. Inklusionscafés), regelmäßige Arbeitstreffen trotz digitaler Lösungen und inklusive Freizeitangebote einen Ausgleich bringen. Zuletzt bietet die Übergabe einfacher Tätigkeiten in die ‚Öffentliche Hand‘, bzw. die Incentivierung von Unternehmen solche Tätigkeiten eben nicht zu automatisieren, Möglichkeiten der Automatisierungsproblematik zu begegnen.

Handlungsempfehlungen

  1. Entwicklung von integrativen und niederschwelligen Qualifizierungsprogrammen zum Erwerb von digitalen Kompetenzen für Betroffene und Dienstleistende.
  2. Begegnungsräume und Freizeitangebote schaffen zur Ermöglichung von persönlicher Interaktion vor Ort, um einer sozialer Isolation entgegenzuwirken (Inklusionscafés, Arbeitstreffen).
  3. Erhalt von barrierefreien Arbeitsplätzen durch die ‚Öffentliche Hand‘ oder mittels spezifischer Unternehmensförderungen, für Unternehmen die von Automatisierungsmöglichkeiten absehen. Damit sollen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen erhalten bzw. dem Übergang in neue Arbeitsformen mehr Zeit eingeräumt werden. Dies muss Hand in Hand mit der Sensibilisierung von Arbeitgeber*innen geschehen.

Corona-Pandemie

Corona-Pandemie

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Zurzeit gibt es in verschiedenen Ländern einen Virus.
Der Virus heißt: Coronavirus.
Menschen mit Behinderungen gelten als Risiko-Gruppe in der Corona-Pandemie.
Das ist nicht gut.
Menschen mit Behinderungen können an dieser Stelle wenig selbst bestimmen.
Und sie können wenig selbst entscheiden.

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Es gibt viele Einschränkungen durch die Pandemie.

  • Menschen mit Behinderungen können immer einsamer werden.
  • Viele Menschen arbeiten seit Jahren am Thema Inklusion.

Menschen mit und ohne Behinderungen sollen sich in der Gesellschaft begegnen können.

Menschen sollen sich nicht mit einer Krankheit anstecken.
Auf welche Sachen kann man früh achten?
Menschen mit Behinderungen und ihre Ideen dazu soll man hören.
Sie sollen bei Entscheidungen dabei sein.
Alle Menschen sollen an der Gesellschaft teilhaben können.

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In der Versorgung und Betreuung von Menschen mit Behinderungen gibt es weniger Personal in der Pandemie.
Das liegt daran:

  • Das Personal muss in Isolation oder Quarantäne.
  • Arbeitsplätze fallen weg.
  • Es gibt weniger Angebote von einem Ort zum anderen Ort zu kommen.
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Es soll weiterhin viele Angebote geben.
Einrichtungen sollen Angebote und Unterstützungen anbieten.

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Angehörige von Menschen mit Behinderungen müssen

  • Pflege-Leistungen
  • und Versorgungs-Leistungen

übernehmen.

Dabei gibt es häufig Probleme beim Organisieren.
Oder mit dem Geld.

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In der Corona-Pandemie kann man den Alltag nur schwer planen.
Es soll mehr Informationen geben für:

  • Betroffene,
  • Angehörige
  • und Dienstleister.
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Besondere Personen-Gruppen stellt die Corona-Pandemie vor Herausforderungen.
Das muss man berücksichtigen.

Handlungs-Felder und Handlungs-Empfehlungen

Alle Menschen mit Behinderungen gelten als Risiko-Gruppe in der Corona-Pandemie.
Das muss man neu bewerten.

Das empfehlen wir:

Die Meinung von Menschen mit Behinderungen soll man dazu hören.

 

Das Umfeld muss man auf Krisen-Situationen vorbereiten.

Das empfehlen wir:

In Einrichtungen soll es Gruppen geben.
In den Gruppen arbeiten verschiedene Menschen zum Thema Krise zusammen.
Ein anderes Wort für diese Gruppen ist: Krisen-Team.

Das empfehlen wir:

Einrichtungen sollen sich in der Corona-Pandemie weiterentwickeln können.
Zum Beispiel: Mit neuen Angeboten.

Das empfehlen wir:

Wie Einrichtungen in der Pandemie kommunizieren möchten.
Dazu soll es einen Plan geben.
Menschen mit Behinderungen sollen am Plan mitarbeiten können.

Das empfehlen wir:

Mit verschiedenen Mitteln soll man gut umgehen.
Daran sollen die Einrichtungen denken.
Auch außerhalb der Pandemie.

Angehörige von Menschen mit Behinderungen sollen Unterstützung bekommen.
Dazu soll es verschiedene Leistungen geben.

Lesen Sie hier die ausführlichen Ergebnisse 'Corona-Pandemie'

Beispiel: Ein*e bayrische*r Teilnehmer*in mit Behinderungen berichtete vom Verlust des Arbeitsplatzes durch die Zuordnung zur Risikogruppe während des ersten COVID-19-bedingten ‚Lockdowns‘. Die Arbeitsstelle konnte aufgrund fehlender Anpassungsmöglichkeiten an die geltenden Schutzmaßnahmen nicht erhalten werden.

Beispiel: Ein*e bayrische*r Mitarbeiter*in betreuter selbständiger Wohnformen verwies auf die Schwierigkeiten, die mit dem Verlust von tagestrukturierender Einrichtung einhergehen. Menschen mit Behinderungen in begleiteten Wohnformen sahen sich durch Schließung der Tagesstrukturen bzw. Kurzarbeitsformen mit fehlenden Assistenzleistungen konfrontiert. Diese konnten nur teilweise und mit erheblichen Mehrleistungen durch die Mitarbeiter*innen solcher Wohnformen ausgeglichen werden.

Beispiel: Tiroler Angehörige berichteten von Besuchs- und Betretungsverboten in institutionellen Wohnformen. Für Menschen mit Behinderungen war über Monate hinweg kein persönlicher Kontakt zu ihren Angehörigen möglich, um den damals geltenden Schutzmaßnahmen zu entsprechen. Dienstleister berichteten in diesem Zusammenhang auch von der Problematik, ihren Klienten*innen die Hintergründe für solche Maßnahmen näherzubringen.

Aufgrund der Covid-19-Situation fühlen sich Betroffene und Angehörige im Stich gelassen und berichten von Einschränkungen in ihrer Selbstbestimmung (besonders in betreuten Wohnformen), von Besuchs- und Betretungsverboten in Institutionen, Lebensweltbegrenzungen, Angebots- und Arbeitsbeschränkungen sowie Arbeitsplatzverlusten – ausgelöst durch eine generelle Einstufung von Menschen mit Behinderungen als Angehörige einer Risikogruppe. Dies verschärfte zudem die soziale Isolation von Menschen mit Behinderungen. Schwer erarbeitete Inklusionsleistungen in den Bereichen „Arbeit“, „Bildung“, „Freizeit“ und „Wohnen“ wurden kurzfristig durch die Pandemiemaßnahmen eingebüßt.

Angehörige sahen sich vor das Problem gestellt, Pflege- und Versorgungsleistungen ohne zusätzliche Kompensation zu übernehmen. Dies verschärfte nicht nur die Situation von Menschen mit Behinderungen, sondern auch die der pflegenden Angehörigen. Angehörige berichten von Erfahrungen sozialer Isolation zum Schutz der Betroffenen und der Verknappung finanzieller Ressourcen durch Übergänge in Teilzeitarbeit und Kurzarbeit, um die nötigen Pflegeleistungen erbringen zu können.

Institutionen und Träger sahen sich mit Kapazitätsdefiziten konfrontiert. Teilweise ohnehin bereits niedrig angesetzte Personalschlüssel konnten die Ausfälle, bedingt durch Quarantänen, Erkrankungen und den Wegfall von Bildungs- und Arbeitsplätzen sowie Tages- und Freizeitstrukturen, nicht vollständig kompensieren. Hinzu kam der Wegfall von Mobilitätsangeboten durch Einschränkungen im öffentlichen Personennahverkehr bedingt durch COVID-19-Maßnahmen (Personenanzahl bei Transporten, Frequenzminderung der Linien). Besonders betroffen waren rurale Gebiete, die bereits zuvor nicht ausreichend an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden waren.

Ein weiteres Problem, das sich für alle Stakeholder stellte, war die fehlende Transparenz in der Kommunikation und im Krisenmanagement, das die Unsicherheit zusehends verstärkte. Hinzu kam, insbesondere bei Institutionen und den Trägern, die dadurch ausgelöste fehlende Planbarkeit. Zusammenfassend reichten die bereits beschriebenen Problematiken von Informationsdefiziten, über Angebotsdefizite bis zu legistischen Inklusionshemmnissen durch die Covid-19-Pandemie. All diese Probleme verschärften die Situation für die Betroffenen und überlasteten ohnehin bereits fragile Systeme.

Handlungsfelder

Handlungsfelder beziehen sich demnach auf eine facettenreichere und diversifizierende Distinktion bei Zuordnungsprozessen zu Risikogruppen sowie Infrastrukturanpassungen für die Krisenbewältigung und des Krisenmanagements. Zusätzlich sollten weitere Unterstützungssysteme für pflegende Angehörige geschaffen werden. Um die Kapazitätsgrenzen in den Soziallandschaften nicht auszureizen bzw. zu überfordern, sollte über die Erhöhung von Personalschlüsseln nachgedacht werden. Auch hier ist die Schaffung sicherer und inklusiver Begegnungsräume zentral, um der sozialen Isolation vorzubeugen. Ein transparentes Krisenmanagement und eine partizipative Krisenkommunikation würde den Stakeholdern mehr Planungssicherheit bieten. Generell wurde ersichtlich, dass die Orientierung der Förder-, Beratungs- und Betreuungsleistungen am unteren finanziellen Spektrum keinesfalls Krisensicherheit mit sich bringt. Die Aufrechterhaltung vieler Angebote hängt unter aktuellen Bedingungen (COVID-19) sehr stark von den intrinsischen Motiven der betreuenden Instanzen ab.

Handlungsempfehlungen

  1. Partizipative Neubewertung der Einordnung von Menschen mit Behinderungen als Covid-19-Risikogruppe durch diversifizierende, Unterschiede anerkennende Einstufungsprozesse.
  2. Infrastrukturanpassungen für Krisenbewältigung und Krisenmanagement. Ausbau von Bewegungsräumen, Etablierung partizipativer Krisenteams in Einrichtungen, transparente Kommunikation von und mit allen Stakeholdern.
  3. Zusätzliche Unterstützungsleistungen für pflegende Angehörige in Krisensituationen, um ausfallende Dienstleistungsstrukturen aufzufangen.
  4. Kapazitätsdefizite ausgleichen durch höhere und Krisenfeste Personalschlüssel bzw. Ressourcenplanung.

Hinweis:
Im Text stehen die Wörter Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Wir meinen damit alle Menschen.